“Siebter Himmel - Schall und Wahn”
Teil 1: 7. April 1928
(basiert auf dem Roman “Schall und Wahn” von William Faulkner)
Einkanal-Video für das Theater, HD-Format, Farbe, Stereo
Das Projekt wurde auch als synchronisierte nahtlose 4-Kanal-Videoprojektion für eine Galerie-/Museums-Umgebung veröffentlicht.
30:05 Minuten, 2008-2009 Soundtrack vom Künstler, Surround Sound.
Nahtlose, mehrkanalige hochauflösende Videotechnologie
Foto: Ansicht der Projektinstallation, Video noch aus dem Projekt
Das neue Video des Künstlers ist eine hypnotische Re-Kreation des Eröffnungsteils von William Faulkners Roman "Schall und Wahn" von 1929. Faulkner übernahm seinen Titel aus "Macbeth": "Es ist eine Geschichte erzählt von einem Idioten, voll von Schall und Wahn, ohne Bedeutung". Der Künstler versucht nicht, Faulkners Prosa seine eigene Ordnung aufzuzwingen, sondern versucht die nichtlineare, nicht interpretierende Sichtweise des Hauptdarstellers auf Zeit, die nie einfach zu quantifizieren ist, zu übersetzen.
Nach seiner Serie von "Dekonstruiert"-Filmen und -Fotografien, wo Zeit nicht sequenziell, sondern simultan dargestellt wird, scheint es nur logisch, dass der Künstler in "Siebter Himmel" (der Titel rührt offenbar vom Untertitel des literarischen Werkes her - "Siebter April 1928") scheinbar inkongruente Elemente stilisiert und zusammenstellt, sparsam garniert mit surrealistischen Akzenten.
Das Video ist eine beeindruckend detailreiche, fotorealistische Evokation einer Weltansicht, die diejenige des Protagonisten gewesen sein könnte. Seine Fähigkeit, Ursache und Wirkung zu verbinden, auch wenn er selbst die Ursache ist, wird im Film äußerst klar herausgestellt.
Eines der ständigen Themen des Künstlers ist Zeit; und das Verschwimmen von Vergangenheit und Gegenwart in diesem Video erinnert an ein impressionistisches Gemälde, dem es erst an klaren Formen zu fehlen scheint, in dem die Details aber bei längerem Hinsehen so genau hervortreten, dass sie schließlich schärfer als jede Fotografie werden. Hier entsteht eine magische Gelegenheit: dem Talent des Künstlers im Video wiederzubegegnen, und die Spannung, eine der großen Leistungen der westlichen Literatur wiederzuentdecken.
Der Roman spielt im fiktionalen Yoknapatawpha County und ist in vier Teile unterteilt. Der erste ist aus der Sicht von Benjy Compson, einem dreißigjährigen Mann mit geistiger Behinderung, geschrieben. Der zweite Teil spielt achtzehn Jahre vor den anderen dreien und ist aus der Sicht von Quentin Compson erzählt, einem Harvard-Absolventen, der nach einer Reihe von Ereignissen, die mit seiner Schwester Caddy zu tun haben, Selbstmord begeht. Der dritte ist aus der Sicht ihres zynischen, verbitterten Bruders Jason geschrieben, und der vierte erzählt in auktorialer Perspektive hauptsächlich von Dilsey, dem schwarzen Diener der Compson-Familie. Insgesamt faßt die Geschichte die Leben der Mitglieder der Compson-Familie, die nun zerfallen ist, zusammen. Viele Passagen sind im Stil des Bewusstseinsstroms geschrieben. Dieser Roman ist ein klassisches Beispiel für die unzuverlässige Erzähltechnik.
Der Titel des Romans ist Macbeths Zwiegespräch mit sich selbst in Akt 5, Szene 5 von Shakespeares Macbeth entnommen.
Zeitleiste des Videos: Teil 1 - 7. April 1928
Das Videosegment des Projektes ist auf dem ersten Teil des Buches basiert, der von Benjamin, der geistig behindert ist und in seiner imaginären Welt lebt, erzählt. Seine Gedankengänge haben oft nichts mit der Realität gemein, zeigen sich in strukturell unscharfen Sätzen und werden in seiner Vorstellung von schwebenden Formen und Farben illustriert.
Am Offensichtlichsten ist die Idee einer "von einem Idioten erzählten Geschichte", in diesem Fall von Benjy, dessen Version der Compson-Geschichte den Roman eröffnet.
Die vier Teile des Romans verbinden viele gleiche Episoden, jede aus einer anderen Sicht erzählt und daher andere Themen und Ereignisse betonend. Diese Verwebung und nichtlineare Struktur macht jede wirkliche Zusammenfassung des Romans schwierig, besonders da die Erzähler alle auf ihre eigene Art unzuverlässig sind, was ihre Berichte nicht notwendigerweise immer vertrauenswürdig macht.
Das Video wird als Projektionen auf hängenden Bildschirmen gezeigt.
Ursprünglich als Einkanalvideo für eine Theatervorführung konzipiert, wurde es zusätzlich als Multikanal-Installation für eine Galerie und Museumsumfelder neu gerendert. Diese Entscheidung erlaubte es, die Hauptidee des Stils, wonach der Inhalt durch das facettenreiche Prisma der Wahrnehmung der Hauptfigur dargestellt wird, zu betonen. Jedes Thema und jede Handlung wird von ihm in mehreren Bedeutungen wahrgenommen und hat viele Startpunkte für seine assoziative Denkweise.
Es wird durch Vergleich von unterschiedlichen Bildern, die mit dem Handlungsstrang verknüpft sind, illustriert. Das Video hat einen Soundtrack, der eine Erzählung des Originaltextes aus dem Buch und komplexe "Live-Geräusche", aus Multi-Track-Aufnahmen von mit dieser Geschichtsperiode verknüpften Geräuschen arrangiert. Die "Umgebungsgeräusche", die ständig im Kopf des Hauptdarstellers präsent sind, schaffen einen "doppelschichtigen" Handlungsstrang hinter der visuellen Erzählung.
Installationsvoraussetzungen / Technische Angaben
Die Video-Installation wird von mehreren hochauflösenden Projektoren, die in einer höheren Ebene des Ausstellungsraumes positioniert sind, projiziert. Die Videoquelle ist ein Feld von HD-DVD-Playern oder BluRay, von einem Sync Board betrieben (vom Künstler gestellt)
Empfohlene Leinwände für Projektionen: schwarzes Nylon, für Videoprojektionen konzipiert, auf Aluminiumrahmen (die der Künstler stellen kann) gespannt und von der Decke gehängt.
Eine alternative Lösung kann eine Projektion auf semitransparente Acryl-Leinwände (aus vorgefertigtem Acryl auf beliebige Größe zugeschnitten) sein. Die Leinwände können frei im Raum plaziert werden, aufrecht, am Boden befestigt und/oder von der Decke gehängt. Die Besucher werden um die Leinwände herumgehen und die Projektion aus jedem Winkel und von jeder Seite sehen können und dadurch ein interagierender Teil der Installation werden.
© TIM WHITE-SOBIESKI